Der Atem der Dinge

Als Kind dachte ich, die Bäume machen den Wind, wenn sie schwanken und ihre Äste wie Arme bewegen.
Jahre später träumte ich von einem leeren Zimmer, Kerzen brannten und erhellten matt das Holz aus dem die Wände und der Boden gemacht war.
Sie waren fast heruntergebrannt, deshalb blies ich ihre Flammen aus. Ihr warmer Lichtschein aber verschwand nicht aus dem Raum, sondern blieb ton- und körperlos über dem Holz schweben.

Der Atem der Dinge

Als Kind dachte ich, die Bäume machen den Wind, wenn sie schwanken und ihre Äste wie Arme bewegen. Jahre später träumte ich von einem leeren Zimmer, Kerzen brannten und erhellten matt das Holz aus dem die Wände und der Boden gemacht war. Sie waren fast heruntergebrannt, deshalb blies ich ihre Flammen aus.
Ihr warmer Lichtschein aber verschwand nicht aus dem Raum, sondern blieb ton- und körperlos über dem Holz schweben.

Ohne Titel

Wir hatten einen Elefanten – er war schon da seit ich denken kann und blieb immer in unserer Nähe. Doch eines Abends setzten sich seine Beine in Bewegung, irgendwie jedes für sich, und wir schauten zu, wie er sich, Hintern voran, mit Blick zu uns, schlingernd weg­bewegte und schliesslich im Wald verschwand. Wir haben ihn nie wieder gesehen.

Bilder, Videos und Texte: David Schlatter
Kontakt: mail@m0s4ik.ch
Publikationen: «Schonzeit», 2001, «Freeway», 2004

Musik: Jonathan Steiger / Linus Stiefel
Stimme: Roman Haselbacher
Programmierung: Radiocity

 

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geschrieben von David Schlatter am 04.07.2019

Das Gästebuch ist leer.


Besuch beim Doktor

Sie war weit gereist und schlief am Strand in einer Hütte aus Holz. Am Ende der Nacht waren die Wände bedeckt von Schmetterlingen, die sich paarten. Sie wussten nichts vom Strand und der Hütte, flogen davon, einer nach dem anderen und liessen sie zurück, im Licht des neuen Tages. So erzählte sie ihm diese Geschichte, verwandelte sich in einen Schmetterling, flog davon und liess ihn zurück, ohne Strand und ohne Hütte, aber ebenfalls im Licht eines neuen Tages.

Der Mann, der Kafka zeugte

Ich war in der Stadt und wollte weinen, also ging ich hinaus ins Dorf.
Dort roch es nach Mist und es dunkelte bereits.
Deshalb legte ich mich schlafen, zog die Decke hoch und stapfte durch den tiefen Schnee die Landstrasse entlang.
Nur der grosse Wagen kam mir entgegen, ganz langsam und ohne Licht.
Er hatte meine Möbel geladen.

Olga

Olga hatte es satt. Sie strickte den Strumpf zu Ende, packte ihren Koffer und machte sich auf den Weg zu ihrer Schwester, die hoch im Norden wohnte. Die Fahrkarte kostete sehr viel, und die Fahrt selber dauerte 380 Jahre, aber schliesslich sassen sie beisammen auf der Bank vor dem Haus und betrachteten die Polarlichter.

Bitterfeld

Ich war zu Besuch in Bitterfeld und wunderte mich über diesen Ort, wo es die Säurestrasse und die Chlorstrasse gab und viele abgesperrte Landstücke, auf denen nur Kies, kleine Pflanzen und geflutete Erdlöcher zu sehen waren. Eine Weile stand ich an so einer Parzelle. Hinter dem Zaun wuchsen ganz viele Kamillen und der Wind trug mir ihren herben Duft entgegen.
Später ging ich den Schwarzen Weg entlang, nahe den Bahn­ge­leisen und zählte das Geld in meiner Hosentasche, das dabei klimperte. Ich bemerkte, dass ein Mann mir entgegenkam, der wie ein Penner aussah und erwartete, dass er mich anpumpen wird. Wie er näherkam, sah ich, dass er alt, vielleicht krank war und in abgetragenen Kleidern gebeugt daherkam. Er hielt Plastiksäcke und – einen Blumenstrauss in der Hand. Beim Vorübergehen traf mich aus seinen Augen ein trauriger Blick. Ich fühlte mich ertappt, als hätte er meine knauserigen Gedanken gelesen und schämte mich, fragte mich auch, wem er die Blumen wohl bringen würde und fand plötzlich alles derart trostlos, dass ich nur noch weg wollte.
Meine letzten Gedanken las ich vom Fenster des ausfahrenden Zuges aus, «Bitterfeld blüht», stand da, auf die Wand eines Güterschuppens gesprayt.

Ergebenheit

Ich sitze am Strand, die Palmen sind leer, die Sträucher verdorrt.
In der Ferne rollt die Welle an, die mich an einen anderen Strand tragen oder ersäufen wird.

Karriere

Als ich neulich spätabends im Winter die leere Strasse entlangging, vernahm ich ein Geräusch. Ich wandte mich um, und mich traf der enttäuschte Blick eines grossen, schwarzen Hundes, der sich sogleich abwandte, und, die Leine hinterherschleifend, hinunter zum Wasser lief. Von der Brücke aus sah ich ihn noch einmal, aus dem Schein einer fernen Strassenlampe im Dunkeln verschwinden.

Im Dorf

Wolfgang ging Gas holen. Die Kartuschen zogen ihm die Arme lang auf dem Heimweg, seine Hände waren schon auf Kniehöhe, was eigentlich lustig aussah.

Ohne Titel

Traf der Narr auf die Tigerin und fragte: «Darf ich mit dir ziehen?» Worauf die Tigerin knurrte, aber gewähren liess. Als der Mond aufging, mochte sie den Narren schon so gut, dass sie ihn auffrass, wobei die Schellen an seiner Kappe verliebt rasselten und unverdaut im Sternenlicht liegenblieben.